
Echter Beinwell, Gemeiner Beinwell oder Arznei-Beinwell (Symphytum officinale) ist ein ausdauerndes Kraut aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Es handelt sich um eine bis einem Meter hohe Pflanze, die in ganz Europa und Asien auf nassen Wiesen, Mooren, Au- und Bruchwäldern oder am Ufer von Gräben und Gewässern häufig anzutreffen ist und meist gesellig wächst.
Er besitzt mehrere kräftige fleischige Wurzeln, die innen gelb und außen rotbraun erscheinen und bis zu zwei Metern lang werden. Die Stängel sind aufrecht oder aufsteigend, von Grund auf verzweigt und mit kurz abstehenden weißen Haaren überzogen. Ebenso rauhaarig sind die bis zu 60 Zentimeter langen, kurzgestielten schmal- bis breit-lanzettlichen Blätter, die nach oben hin deutlich kürzer und eher sitzend werden. Oben am Stängel laufen sie an diesem bis zum nächstunteren Blatt etwas herab, in Bodennähe bilden sie eine Halbrosette. Sie haben beim Zerreichen einen aromatischen Geruch.
Bei den Blütenständen handelt es sich um beblätterte Doppelwickel mit zahlreichen Blüten. Diese sind nickend, mit 2-6 Millimeter langen Stielen und einer fünfzähligen radiärsymmetrischen Blütenhülle. Die Kelchblätter sind grün, etwa zu einem Viertel verwachsen mit lanzettlichen spitzen Zipfeln. Die rotvioletten oder seltener gelblichweißen Kronblätter sind bis auf kurze zurückgeschlagene Zipfel komplett miteinander verbunden. Fruchtknoten und Staubblätter überragen die Kronröhre nicht. Die 1-4 Klausenfrüchtesind glatt, glänzend schwarz und schief eiförmig. Sie werden mit zunehmender Reife innen aufgehöhlt und tragen ein großes Elaisom, für das sich Ameisen interessieren.
Die großen und geschlossenen Blütenglocken des Gemeinen Beinwells sind zudem mit Schlundschuppen verschlossen, sodass nur Insekten mit einem mindestens einen Zentimeter langen Rüssel bis zum Grund mit den Nektarien vordringen können. Damit können fast ausschließlich Hummeln dienen. Die Blüten hängen deswegen herab, weil sie bei solchen Besuchen ihren Pollen auf die Besucher herabrieseln lassen können. Kurzrüssligere Arten von Hummeln wie Erdhummeln verkürzen sich den Weg zum Büffet und knabbern der Einfachheit halber seitlich ein Loch in die Blüten, aus dem sich dann oft auch Honigbienen bedienen.
An den Pollen gelangen die vier Wildbienen Beinwell-Sandbiene (Andrena symphyti), Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) und die beiden Pelzbienen Anthophora fulvitarsisund Anthophora plumipes.
Für die Blätter als Raupenfutter interessieren sich fünf Schmetterlinge wie der Distelfalter (Vanessa cardui) und die Lungenkraut-Staubeule (Atypha pulmonaria).
Die kärglich gebildeten Klausenfrüchte des Echten Beinwell verbleiben lange Zeit in den glockenförmigen Blüten. Sie fallen irgendwann heraus und werden anschließend oft entweder vom Regen fortgewaschen, da sie mit ihrem Hohlraum schwimmen oder von Ameisen verschleppt, die sich am ölhaltigen Elaiosom gütlich tun.
Beinwell ist eine alte Heilpflanze, deren Blätter und Wureln man bereits in der Antike zum Verheilen von Wunden eingesetzt hat – daher auch der Namen, der sich aus Bein für Knochen und well für wohltuend zusammensetzt. Man verwendete die Blätter als Wundauflage bei offenen Wunden und bei Knochenbrücken. Nichts anderes als zusammenfügen bedeutet das griechische συμφ?εται, symphyestai, das beim botanischen Gattungsname Pate stand.
Den Text stellte dankenswerterweise https://www.naturadb.de/ zur Verfügung.

