Teufelsabbiss, auch als Gewöhnlicher Teufelsabbiss oder Teufelswurz (Succisia pratensis) bezeichnet, ist ein einheimischer Vertreter aus der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Man findet ihn häufig auf nährstoffarmen Moorwiesen, Wirtschaftswiesen und Magerrasengesellschaften, vor allem des Gebirges. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Nordafrika über Mitteleuropa bis nach Sibirien.
Es handelt sich dabei um eine ausdauernde krautig wachsende Pflanze, die einem bis zu einem halben Meter langen Rhizom entspringt. Dieses bildet keine Ausläufer, aber einen einzelnen straff aufrechten und wenig verzweigten Stängel von bis zu einem halben Meter Höhe. Bodenständig stehen die dunkelgrünen länglich-lanzettlichen und meist ganzrandigen Blätter in einer Rosette, weiter oben stehen sie gegenständig und werden zusehends kleiner.
Der Teufelsabbiss ist gynödiözisch und bildet Exemplare mit zwittrigen oder mit weiblichen Blüten. Die Blütenstände bilden halbkugelige Köpfchen, die unten von zwei Reihen lanzettlicher und fein bewimperter Hüllblätter bedeckt sind. Im Gegensatz zu den ähnlichen Knautien und Skabiosen finden sich in den Blütenständen keine vergrößerten Schaublüten. Die einzelnen Blüten stehen an einem fleischen Endstück der Hauptachse und bestehen aus einem vierkantigen rau behaarten stachelspitzigen Außenkelch, einem fünfstrahligen borstigen schüsselförmigen Innenkelch. Die vier leuchtend blauen Kronblätter bis etwa zur Hälfe miteinander verwachsen und werden von Staubblättern und Griffel weit überragt. Bei den Früchten handelt es sich um 5-7 Millimeter lange vierkantige Achänen mit zottiger Behaarung.
Der Teufelsabbiss gilt als gute Bienenweide und ist bei Schwebfliegen höchst begehrt. Sieben Schmetterlinge, darunter viele Tagfalter, nutzen ihn als Nektarlieferanten und/oder als Raupenfutter, darunter auch zahlreiche gefährdete Arten wie namensgebende Abbiss-Scheckenfalter (Euphydrias aurinia), der Lungenenzian-Ameisenbläuling (Maculinea alcon) oder der Riedteufel (Minois dryas), aber auch das recht häufige Große Ochsenauge (Maniola jurtina).
Pollen für den Nestbau sammeln hier fünf Wildbienen, zwei Halictus-Arten wie auch Andrena marginata, Dasypoda argentata und Lasioglossum laeve. Die Verbreitung der Samen erfolgt als Wind- und Tierstreuer, und auch Ameisen verschleppen die Achänen in ihre Nester.
Den sonderbaren Namen hat der Teufelsabbiss oder Morsus diaboli von seiner Wurzel: Gräbt man das bis zu einem halben Meter lange Teil aus, sieht es an seinem unteren Ende immer wie abgefressen aus. Wer anderes als der Teufel kam für derlei Schabernack in Frage? Der Legende nach gönnte der Höllenfürst den Menschen die Heilpflanze nicht. In Wirklicheit liegt das daran, dass das Rhizom am unteren Ende abstirbt und verfault.
Als Zeigerpflanze für magere und wechselfeuchte Standorte hat es der Teufelsabbiss in unserer überdüngten Landschaft zusehends schwerer. So nimmt es kein Wunder, dass seine Bestände in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abnehmen, obwohl er früher in fast jeder feuchten Wiese anzutreffen war. Daher sollte man die Pflanzen möglich nicht mehr aus der freien Natur entnehmen.
In der Volksmedizin soll Teufelsabbiss wirksam gegen Steinleiden sein (vor allem angeblich, wenn der Teufelsabbiss in der Nacht vor dem 24. Juni gepflückt wird).
Dem wie abgebissen aussehenden „Wurzelstock“ des Teufelsabbisses wurde eine antidämonische Wirkung zugeschrieben. Als Amulett um den Hals getragen sollte sie den Träger vor Zauberei der „bösen Weiber“ beschützen. Im Stall aufgehängt, galt sie als sicheres Mittel, das Vieh vor Behexung zu bewahren.
Als „abis“ und „dufelbis“ wurde der Gewöhnliche Teufelsabbiss in südwestdeutschen Handschriften des 15. Jahrhunderts erwähnt. Folgende Heilanwendungen wurden dort für das aus der Wurzel gebrannte Wasser genannt: „geswer“ und „stechen“ im Leib und besonders um das Herz, „verserte“ Därme und „gerunnen blut“ im Leib. Die äußersten Spitzen des Krautes, an einem Mai-Abend gegessen, sollten ein Jahr lang vor dem „frorer“ (Schüttelfrost) schützen.
Der Mainzer Gart der Gesundheit vom Jahre 1485 gab folgende Erklärung zur Benennung der Pflanze (Kapitel 261): Der Teufel habe mit dieser Wurzel so große „gewalt getrieben“ dass die Mutter Gottes „ein erbarmen darin hatte“ und dem Teufel die „gewalt“ genommen habe, dass er danach nicht mehr damit schaffen konnte. Von dem großen „grimm“, den er dann hatte, dass ihm die „gewalt“ entgangen war, biss er die Wurzel unten ab. Also wächst sie noch heute. Wer das Kraut oder die Wurzel bei sich trage, dem könne der Teufel keinen Schaden zufügen. Als Gewährsmann gab der Gart irreführend den spätantiken Arzt Oreibasios an.
In sein Kleines Destillierbuch vom Jahre 1500 übernahm Hieronymus Brunschwig die in den Handschriften des 15. Jahrhunderts angegebenen Heilanwendungen und ergänzte sie durch eine Indikation aus seinem Pestbuch: „Abis wasser ist gůt den menschen zů behüeten vnd zů beschirmen für die pestilentz.“ Die Indikationen aus dem Kleinen Destillierbuch wurden von den Vätern der Botanik übernommen.
Spätestens in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Teufelsabbiss in den Medizinbüchern nur noch beiläufig erwähnt.
Quelle: Wikipedia, https://www.naturadb.de
Foto: Von Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21047971

